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So manchem Feuerwehrler dürfte am vergangenen Samstag das Herz geblutet haben: Zu Übungszwecken ist am Reischacher Feuerwehrgelände im Rahmen eines ganztägigen Ausbildungsseminars für „Technische Hilfeleistung-THL“ eine schicke Limousine im Wert von zirka 50 000 Euro zerschnitten worden.

Das Auto, ein schwarz lackierter BMW X1-SUV, war der Reischacher Wehr vom bayerischen Automobilbauer zur Verfügung gestellt worden. Gehandelt hat es sich dabei um ein sogenanntes „Nullserienfahrzeug“, das ausschließlich zu Testzwecken auf Teststrecken verwendet worden war und eigentlich den Weg zur Schrottpresse antreten sollte. Dabei war das Übungsobjekt nicht das erste Fahrzeug des Münchener Fahrzeugherstellers: Bereits im April 2015 durften die Reischacher Floriansjünger dank der guten Kontakte von Gruppenführer Johannes Baumer einen schnittigen 3-er BMW fachgerecht zerlegen (der Anzeiger berichtete). Im Online-Auftritt der Heimatzeitung wurde diese Tatsache damals auch mit kritischem Unterton diskutiert. „Das können wir nicht verstehen“, sagt Wehrkommandant Wolfgang Hansbauer, der in seinem Einsatzbereich auch den „Unfall-Schwerpunkt Fuchsberg“ weiß. Der Schwerpunkt der Feuerwehren verschiebe sich seit Jahrzehnten zunehmend in Richtung technischer Hilfeleistung, vermehrt mit Personenbergungen aus Fahrzeugen.
Kreisbrandrat Werner Huber: Zu sage und schreibe 1037 Technischen Hilfeleistungen seien die Landkreiswehren etwa im Jahr 2016 gerufen werden, 230 Einsätze davon hätten eine Bergung aus den verunglückten Fahrzeugen erfordert.
Eine der Herausforderungen, mit denen sich die Rettungskräfte konfrontiert sehen, seien die stabilen Sicherheitssysteme, Verbundmaterialien und Antriebe moderner Autos. „Der technische Fortschritt ist unaufhaltsam“, sagt Huber – und damit auch die Anforderungen. Die Frage bei den Feuerwehren sei heute: „Wie gehe ich etwa mit E-Autos oder Hybridfahrzeugen um?“. Ein Einblick in Technik und Bauweise der Fahrzeuge sei daher für die Rettungskräfte ratsam. Diesen hatten die Reischacher Wehrler, dazu auch einige Kameraden aus den anderen VG-Gemeinden, im Laufe des „THL-Tages“ auch erfahren. Kreisbrandmeister Wolfgang Buchner referierte zur Thematik. Buchner erläuterte in seinem Vortrag die verschiedenen Bauweisen von Autos neuerer Generation, auch die verschiedenen Rettungstechniken sowie die multiplen Gefahren im THL-Einsatz. Ausbilder Thomas Schmidtner, wie Buchner von der Feuerwehr Garching/Alz kommend, ergänzte den Fachvortrag Buchners mit der Vorgehensweise beim nicht minder wichtigen „Glasmanagement".

Überschrieben hatten die Referenten ihre Vorträge mit dem Slogan „Sicher und Patientenorientiert“, so auch Notarzt Dr. Bernhard Benesch, der den rund 70 Zuhörern die Zusammenarbeit der Rettungskräfte – Feuerwehr und Rettungsdienst/Notarzt – in Theorie und praktischen Beispielen näher brachte. Wie schwer es ist, ein Fahrzeug der neuesten Generation fachgerecht zu öffnen, wurde nach der Theorie am Nachmittag am Übungsobjekt sichtbar: Sowohl die potenziellen Einsatzkräfte als auch ihr auf neuestem Stand befindliches Material wurden bei der Anwendung von unterschiedlichen Techniken bis an die Grenzen belastet. Nur mit Hilfe der passenden Rettungskarte konnten auch alle Verstärkungen und gefährlich werdenden Bauteile, etwa Airbag-Gasgeneratoren, Gurtstraffer oder Batterie lokalisiert und berücksichtigt werden.

Dieser Ausbildungstag sei für ihre Arbeit unbezahlbar gewesen, waren sich die Verantwortlichen in einem Statement nach dem Symposium einig. Indes sind die „sterblichen Überreste“ des vierrädrigen Probanden durch den Autobauer bereits der Schrottpresse zugeführt worden

Quelle: Passauer Neue Presse vom 03.02.2018 - Manfred Buchberger

 

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